childhood
"Ich bin Dalan", sagte er ein wenig lauter, "in mir ist Licht und Schatten. In mir ist Tag und Nacht. Sonne und Mond." Langsam ging er weiter. Er hatte die Stimme erhoben. Dalan schrie die Kämpfenden an: "Wer zeigt mir das Gute, ohne zugleich Böses zu nehmen?" Seine Stimme füllte [...]. "Was ist der Himmel ohne Erde?" Brüllte dieser weiter. "Wie kann es Sieger geben, wenn keiner unterliegt?" [...] "Wer weiß, daß Ja auch immer Nein bedeutet? Welche Freude ist ohne Leid?" Fast tonlos hatten sich die letzten Worte auf Dalans Lippen geformt. Er stand jetzt dicht vor den beiden Kriegern. Und dann brach sich sein Schrei an den Felswänden und wurde vielfach zurückgeworfen: "Es gibt keinen Tod ohne Leben! Und kein Leben ohne Tod!"
(aus "Die Mondsteinmärchen" von Roland Kübler.)

Eine gewisse Kälte hat sich in den Tag geschlichen und umkreist mich, wie ein wildes Tier. Ich bin müde von der Routine, die mein Leben wieder vollends im Griff zu haben scheint und immer wieder denke ich an mein altes unorganisiertes Leben zurück, dass ich vor ungefähr acht Monaten geführt habe. Die goldene Stadt fehlt mir. Sie hat sich vom ersten Moment an so richtig angefühlt. Ich vermisse dieses Chaos, das den Alltag beherrschte und die Geborgenheit, die ich selbst im Metroschacht finden konnte. Ich wühle in alten Erinnerungen, wie in einer Kiste, finde Worte, Gedanken und eine tiefe Sehnsucht nach etwas Vergangenem. Die Schönheit des Lebens, die ich in all meinen alten Texten wiedererkenne berührt mich irgendwie. Ich kann noch immer fühlen, wie ich abends nach Hause kam, Musik anmachte und den Rest des Abends genoss, der vor mir lag. Ich kann es noch immer spüren. Das Glück, dass so oft präsent war. Es fehlt mir einfach so sehr. Ich wünschte, ich könnte es ändern, doch die goldene Stadt ist ein Teil von mir geworden und so sehr ich es auch nicht wahr haben möchte: Sie hat auch einen Teil von mir behalten.
Sie hat soviel behalten, was ich vermisse.
Ich denke an die Momente, in denen ich am Fenster stand, die Nacht die Stadt bedeckte und der Lärm der großen, lauten Stadt, die wie ein Monster neben dem kleinen, behaglichen Dorf lag, in dem ich wohnte, bis hierher drang. Sie hat niemals geschlafen. Sie war ständig wach, immer wieder in ein anderes Gewandt gehüllt.

Ich bin irgendwo. Aber nicht hier.
1.3.10 20:22


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