childhood

Das Werk.



Ich schreibe. Es ist etwas, was ich mache, weil es zu mir gehört und ein großer Teil dessen ist, was mich ausmacht. Es ist vielleicht nicht das spannendste oder bewunderswerteste Hobby, das man haben kann, aber ich brauche es. Für mich ist Schreiben das Innere nach Außen kehren, eine Art Selbstdarstellung, versuchen etwas nach Außen zu tragen, was man sonst nicht anders ausdrücken könnte. Wenn ich traurig bin, schreibe ich. Wenn ich glücklich bin, schreibe ich. So banal und belanglos meine Worte auch sein mögen, letztendlich nehmen sie mir sehr viel Last ab, denn wenn man erst einmal etwas aufgeschrieben hat, dann ist es nicht mehr so groß und schrecklich, wie es vielleicht einmal war. Schreiben ist für mich Ängste abzulegen, Sorgen zu vergessen, ausatmen. Schreiben ist ausatmen. Atmen ist befreiend und so ist Schreiben. Manchmal sitze ich da und ich will etwas aufschreiben, was mir durch den Kopf geht. Tausende von Sätzen und Formulierungen, einzelne Worte, die einfach gut klingen und dann wenn ich das weiße Worddokument vor mir habe, ist mein Kopf wieder leer, die Worte und Sätze verlieren ihre Bedeutung, kein doppelter Boden, ein Nichts. Wenn man schreibt - zumindest ist es bei mir so - will man nicht nur für sich schreiben. Man will Menschen damit berühren, Menschen unterhalten, irgendetwas von sich selbst in der Welt lassen. Die Sache ist, dass man etwas schaffen will, etwas, was man aufschlagen kann, etwas, wo der eigene Name drauf steht, wo man selbst quasi drin ist. Man will in eine Buchhandlung gehen und sein Buch eingeschweißt in einem Regal stehen sehen, man will es ansehen und wissen, dass man es selbst gemacht hat. Es müsste nicht einmal ein Bestseller werden, meinetwegen kann es das schlechteste Buch sein, das jemals veröffentlich wurde, es kann sich aber auch verkaufen wie warme Semmeln - was auch immer! Die Hauptsache ist, dass ich es geschaffen, geschrieben habe, das ein Teil von mir irgendwo erhalten bleibt, das man etwas gemacht hat, worauf man stolz sein kann, etwas, über das man sich in einer gewissen Art und Weise definieren kann. Das Problem ist, das Schreiben eine Laune ist. Es ist nichts, was man immer könnte und wenn die Idee fehlt, die Inspiration, dann ist Schreiben sinnlos. Die meisten Themen und Geschichten sind ausgelutscht, verbraucht und wieder und wieder herausgekramt worden, wieder aufgewärmt und neu verkauft. Wenn ich etwas schreibe, muss es etwas eigenes sein, etwas, was es nicht schon in hundertfacher Ausführung irgendwo zu kaufen gibt. Es soll berühren und unterhalten, tiefgründig und gleichzeitig flach sein, etwas mit zwei Funktionen, Spaß und Tiefe. Ich habe die Worte, die Sätze, die Formulierungen, aber all das ist nichts ohne die richtige Geschichte; diese eine, bei der man mit dem ersten Satz weiß, dass sie voll und ganz zu einem gehört. So oft habe ich kleine Geschichten angefangen und gedacht, sie zu Ende zu bringen, aber letztendlich hat ihnen das Grundgerüst gefehlt. Man kann kein Haus bauen ohne Gerüst, man kann nichts einrichten, was außen herum noch nicht fertig ist. Man kann keine Geschichte schreiben, wenn der Boden wackelt. Aber ich schreibe. Egal, was es ist. Ein Blogeintrag, heimlich oder nicht, einen Gedanken, einfach so zwischen die Zeilen gequetscht. Ich schreibe - ganz gleich, wo es hinführt.
2.11.11 21:50


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