childhood

Als ich noch klein war schmeckte das Leben nach Zuckerwatte, duftete nach Geborgenheit und bietete Geschichten an jeder Ecke. Ich lief schneller als der Wind, stolperte und schlug mir das Knie auf, um weiter zu laufen, im Schnee, im Regen, in der Sonne. Liebe war unbegrenzt, Jungs doof und der Kindergarten eine Qual. Stromausfälle spannende Abenteuer und Spinne das ekligste, dass es gibt [doch das sind sie heute noch ♥]. Verbrecher existierten nur bei den Pfefferkörnern und Bibi Blocksberg erzählte ihre Geschichten zum einschlafen. Doch die Welt dreht sich, kleine Dinge werden groß [manche zumindest – ich leider nicht], jung wird alt und alt verlässt das Leben. Dunkle Haare wurden hell und wieder dunkel, dann wieder hell. Gefühle wurden verschenkt und wieder zurückgenommen, das Herz voller Pflaster, doch weiterlaufen kann ich trotzdem noch. Musikgeschmack änderte sich um heute alles zu beinhalten, was ich je gemocht habe und noch viel mehr. Erfahrungen wurden ausgetauscht, erzählt. Freunde kamen, gingen, wurden zu Feinden, verschwanden. Aus den Augen, aus dem Sinn. Das Land wurde verlassen, ein neues wurde gefunden. Ganz von vorne begonnen. Die goldene Stadt wurde zu einer zweiten Heimat, neue Wege wurden eingeschlagen. Fehler wurden begangen. Sätze geschrieben, Geschichten erfunden. Schicksalsschläge, Tränen und Erfrierungen im Sommer. Wieder wurde das Land gewechselt und nun habt ihr mich eingeholt. Hier endet die Geschichte, die ich kenne. Ab hier betretet ihr unsicheren Boden, lest eine Geschichte, die noch nicht geschrieben wurde. Die Stück für Stück wie ein Puzzle zusammengesetzt werden muss, bei der manchmal Teile fehlen, die durch andere ersetzt werden müssen, auch wenn sie nicht ganz so gut passen. Pläne werden geändert, Träume erlischen, wie eine ausgebrannte Kerze. Immer wieder neues bringt mein Leben, meine Welt, doch es gibt etwas das bleibt. Eine Konstante, die sich durch mein Leben zieht, die jedes Lächeln begründet und durch die ich jedes Mal wieder aufgestanden bin. Familie. Freunde. Und dieses Gefühl für etwas kämpfen zu müssen, dass ich noch nicht kenne. Dieses Gefühl weiter zu gehen, weil es sich irgendwann lohnt.

Alles in Allem bin ich absolut normal. Ich bin riesengroß und gleichzeitig winzig klein. Ich lebe seit siebzehn Jahren auf dieser Welt und habe bisher noch keines bereut. Ich liebe es allein zu sein und gleichzeitig bin ich es nicht gerne. Ich bin der pure Widerspruch und gleichzeitig das Verständlichste auf der ganzen Welt. Ich bin vergesslich und kann mich dennoch ein jedes Wort erinnern. Ich bin unpünktlich und komme trotzdem immer zu früh. Ich bin zu kindisch, viel zu reif und weiß, was ich will, während ich keine Ahnung von nichts habe. Ich bin innerlich blond und trotzdem intelligent. Ich bin eine Kämpferin und unglaublich faul. Ich weine ständig und wegen jeder Kleinigkeit, genau so schnell lache ich wieder. Ich bin schüchtern, peinlich, verrückt. Liebe Geschichten, schreibe sie und verzweifele dabei. Ich bin unmusikalisch, kann keine Noten und habe vier Jahre lang Klavier gespielt. Ich liebe Musik. Ich bin irgendwie merkwürdig, rede im Schlaf, habe einen riesigen Stolz. Bin gern wach und liebe es zu schlafen, um zu träumen. Ich bin Nachtwandlerin und Traumtänzerin. Ich bin ungeduldig. Mag mich und hasse mich, himmelhoch jauchzend glücklich und zu Tode getrübt unglücklich. Ich bin federleicht, Seiltänzerin und gehe unter, weil ich zu schwer bin. Ich bin alles, alles und nichts. Ich bin ein Mensch, der alles sehen will, neugierig ist und die Kindheit vermisst, gerne der Realität entflieht und sich hinter großen, braunen Augen versteckt. Ich stolpere über meinen Alltag, über meine Gewohnheiten und über das Neue, Fremde. Wenn ich mal groß bin, möchte ich Wortdresseurin werden und Wortvorkosterin. Ich möchte alles ausprobieren und lange leben. Ich will alles das, was jeder will. Ich liebe dieses Leben und den Moment, in dem man fällt. Ich will viel und weiß, dass mir nichts geschenkt wird. Ich bin misstrauisch und habe Angst vor mir selbst. Ich bin wundervoll, laufe über Felder, atme die Luft der Welt ein und freue mich am Leben. Ich liebe es zu atmen und zu lächeln. Ich bin Quasselstrippe und Sonnenschein. Ich will eine Spur hinterlassen auf dem Weg, den ich gehe. Ich will, dass man sich an mich erinnert und ich möchte nicht umsonst Leben. Ich möchte nur eine Spur hinterlassen, ein Foto in einem Album, eine Erinnerung. Und wenn ich auch nur einem Einzigen Mensch im Gedächtnis erhalten bleibe, dann würde das schon reichen. Eine einzige Spur, meine Spur im Sand, der sich immer wieder neu verformt, Teil des Ganzen wird.



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